Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft
Der Schützenverein St. Blasius 1865 Grevenbrück e.V. feierte im Jahr 2025 sein 160-jähriges Jubiläum. Damit zählt der Verein zu den ältesten in der Chronik des Dorfes Grevenbrück. Für diese lange Zeit ließe sich eine Vielzahl von Ereignissen anführen, die allesamt Meilensteine in der Vereinsgeschichte für die jeweilige engere Zeitachse darstellen. Nach der Darstellung der Gründungsgeschichte greifen wir hier nur eine begrenzte Zahl prägender Höhepunkte der jüngeren Schützenfesttradition auf.
Zu jeder Initiative, an dessen Ende etwas Neues und nachhaltig Wirkendes entstehen soll, gehören natürlich handelnde Personen, die die Idee entwickeln, sie umsetzen und zu deren Gelingen selber Verantwortung übernehmen. Das gilt insbesondere auch für die Gründung und Weiterentwicklung eines Vereins, der sich den Erhalt traditioneller Werte auf die Fahne geschrieben hat.

So war es auch in unserem Schützenverein. Im Jahr 1864 hatten der Landwirt Carl Arens, Besitzer des Quinkenhofs, der Schlosser und Innungsmeister Nikolaus Brill und der Landwirt und Inhaber eines Gemischtwarenladens, Franz Heuell, die Idee, in Förde einen Schützenverein zu gründen. Diese Idee wurde mit einem Gläschen Schnaps im Hause des Franz Heuell besiegelt. Im Jahr 1865 war es dann soweit. Auf Anregung dieser drei Männer wurde der St. Blasius Schützenverein Förde gegründet. Der erste Vorstand des Vereins bestand aus: Carl Arens (Hauptmann und 1. Vorsitzender), Friedrich Wilhelm Molitor (Stellvertreter), Heinrich Nathen (Adjutant), Heinrich Mummel (Exerziermeister) und Johann Hesse Baltes (Kassierer). Im gleichen Jahr wurde das erste Schützenfest gefeiert. Dazu wurde am sogenannten „langen Stück“, das war der Raum zwischen den damaligen Ortsteilen Grevenbrück und Förde, also in etwa zwischen der heutigen Schützenhalle und der Lennepassage, ein Zelt errichtet. Das Fest wird von damals bis heute immer am dritten Wochenende nach Pfingsten begangen. Das hat seine Ursache in der engen Bindung des Vereins an die christliche Kirche, die seit Anfang des 17. Jahrhunderts immer an diesem Termin das Gelübde der St. Blasius Prozession erfüllt. Dieses Gelübde hat sich der Schützenverein zu eigen gemacht und darauf aufbauend auch den Namen des Schutzpatrons St. Blasius in den Vereinsnamen integriert. Bis zum Jahr 1909 wurde das Fest am langen Stück, zuletzt in einem Holzbau, gefeiert.
Mit dem Fest des Jahres 1909 begann in Bezug auf den Veranstaltungsort eine neue Zeitrechnung, die bis heute anhält. Es wurde die heutige Schützenhalle im Jugendstil erbaut und in Betrieb genommen. Die Schützenhalle wurde bis zum heutigen Tage mehrfach umgebaut.
Der Name des Schützenvereins wurde der bereits seit langem vollzogenen Entwicklung des Dorfes zu einem zusammengehörenden Ort folgend, im Jahr 1984 in Schützenverein St. Blasius 1865 Grevenbrück e.V., geändert.

160 Jahre lang blieb die Festfolge in ihren Grundzügen nahezu unverändert. Erst im Jahr 2025 entschieden die Vereinsmitglieder, dem Puls der Zeit folgend Neues zu wagen, ohne die Traditionen des Vereins aus den Augen zu verlieren. Mit dem Schritt, die „Feiertage“ auf Freitag bis Sonntag zu verlegen, ist man dem Großteil anderer Vereine in der Umgebung gefolgt, die diesen Schritt bereits einige Jahre zuvor gegangen sind.
So stehen die Ehrungen von Majestäten und verdienten Schützenbrüder sowie das Festkonzert im Mittelpunkt des neuen Freitags. Die Schützenmesse, die nach wie vor den feierlichen Auftakt des Schützenfests bildet, untermauert neben der Schützenprozession – jetzt am Samstagmorgen – und der Ansprache der Schützenpastöre im Rahmen des Ständchens am Sonntagmorgen die besondere Verbindung zu den christlichen Kirchen. Der Höhepunkt eines jeden Schützenfests, das Vogelschießen, findet nach der Änderung des Festablaufs nun am Samstagnachmittag an der neuen Vogelstange im Veischede-Park statt. Nach Ermittlung des Jungschützen- und Seniorkönigs geht es am späten Nachmittag mit dem „Wackelzug“ in die Halle zum Dämmerschoppen. Anschließend feiert das Schützenvolk die neuen Majestäten bei der Königsparty bis in den frühen Morgen des zweiten Festtags. Im Anschluss an das Ständchen am Pastorat am Sonntagmorgen und dem folgenden kurzen Frühschoppen am Förder Platz bilden der nachmittägliche Festzug mit den neuen Königspaaren, der anschließende Schützenball mit Königspolonaise und Fahnenausmarsch in Verbindung mit einer sehr guten Beteiligung der Schützen bei entsprechend ausgelassener, guter Feststimmung Höhepunkte und eine Demonstration des Sauerländer Schützenwesens. Auch der dritte Festtag endet tief in der Nacht, nicht selten mit der im Sauerland üblichen Tradition des Eierbackens.
Seit 1955 wird unter den bisherigen Königen bei einem zusätzlichem Schießwettbewerb der Kaiser ermittelt. Die Regentschaft der Kaiser währte bis zum Jahre 1985 zehn Jahre. Ab dem Jahr 1985 wurde sie auf fünf Jahre verkürzt, was die Planbarkeit für Kaiseraspiranten überschaubarer gemacht hat.
Die Zugordnung, die Anzugsordnung, die Teilnahme an den verschiedensten Festteilen, insbesondere an denen mit kirchlicher Verbindung, sind in Grevenbrück von einer hohen und von den Schützen als selbstverständlich angesehenen Disziplin geprägt. Die Traditionen des Sauerländer Schützenwesens erfahren durch diese Disziplin, ohne militärisch zu wirken, auch nach außen ein sichtbares Zeichen, dass die Schützen diese Werte auch in der heutigen schnelllebigen, modernen Zeit zu ihren eigenen machen und diese Werte auch für die Zukunft bewahren wollen.

Ein Meilenstein auf diesem Weg war die in den 90er Jahren erfolgte Gründung der fünf Korporalschaften, beginnend 1993 mit der 1. Korporalschaft Bonzel. Mit der Gründung der Korporalschaften gelang es auch auf Nachbarschafts-Ebene und damit besser als vorher, Schützen für die aktive Teilnahme am Schützenfest zu werben und auf Dauer als Mitglied im Verein zu gewinnen.
Die positive Einstellung zum Schützenwesen wird an der Mitgliederzahl deutlich. Auch wenn die Anzahl von 1.000 Mitglieder, die in den 90er Jahren kurzeitig überschritten wurde, heute nicht mehr erreicht werden kann, zählt der Schützenverein aktuell immer noch rund 900 Mitglieder. Damit ist der Verein einer der größten im Kreisschützenbund Olpe. Um das hohe Niveau zu halten, wurde Mitte der 2010er-Jahre auf Initiative aus den Reihen der Jungschützen eine Jungschützenabteilung gegründet. Sie beteiligt sich bis heute aktiv am Vereinsleben und unterstützt den Verein insbesondere vor und während des Schützenfests mit zahlreichen Aktionen.
Der Schützenverein ist tief im dörflichen Geschehen verwurzelt und diesem verbunden. So war und ist es eine Selbstverständlichkeit, die Schützenhalle für die Veranstaltungen der Vereine, Unternehmen und sonstigen öffentlichen Institutionen zur Verfügung zu stellen, in der Not sogar für einen längeren Zeitraum. So diente die Halle im Jahr 1966 von Aschermittwoch bis zum 11. Juni wegen grundlegenden Renovierungsarbeiten in der kath. Kirche als Notkirche. Im Jahr 1980 wurde der Schützenplatz und ein Teil der Schützenhalle für etwa 18 Monate an die Volksbank Grevenbrück vermietet, die in diesem Zeitraum einen umfangreichen Erweiterungsbau ihres Gebäudes durchführte.
Neben vielen kleineren Einflüssen haben in den letzten Jahren vor allem drei Themen die Vereinsentwicklung geprägt – und prägen sie weiterhin.
Ende 2013 konnte der Schützenverein mit Hilfe zahlreicher Spenden von Vereinsmitgliedern und mit Unterstützung der Stadt Lennestadt die Nachbarimmobilie und das Grundstück „Haus Vogt“ erwerben. Dadurch ließ sich der zuvor recht enge Schützenplatz deutlich erweitern, was dem Verein mehr Möglichkeiten für Gastronomie und Schausteller eröffnete. Das Projekt wirkt bis heute nach: Durch die Verlegung des Gerichtswegs durch die Stadt in 2026 kann der alte Gerichtsweg abgerissen werden und trennt den Schützenplatz nicht länger. Nach Abschluss der Bauarbeiten folgt dann die finale Gestaltung des neuen Schützenplatzes.
Im Jahr 2018 richtete der Schützenverein Grevenbrück das Kreisschützenfest aus. An drei Tagen kamen mehr als 10.000 Besucher – darunter Schützen aus 72 Schützenvereinen des Kreises Olpe – nach Grevenbrück, um sich und die Schützentradition zu feiern. Das Besondere an diesem Fest: Aufgrund des schlechten Wetters musste der große Festzug mit fast allen Majestäten des Kreises abgesagt werden. Der Stimmung tat das allerdings überhaupt keinen Abbruch – in den drei Zelten war sie überragend. Unzählige Helferinnen und Helfer aus Grevenbrück, Bonzel und Germaniahütte machten das Fest zu einem großen Erfolg und zeigte eindrucksvoll, was starker Zusammenhalt leisten kann.
Zwischen 2020 und 2023 hat die Corona-Krise nicht nur die Welt in Atem gehalten, sondern auch das Schützenwesen stark beeinflusst. Die Schützenfeste 2020 und 2021 fielen pandemiebedingt aus. Die Majestäten von 2019 erlebten dadurch eine unfreiwillige Verlängerung ihrer Regentschaft: Michael und Conny Freund sowie Maxi Buschmann und Anna Knappstein gingen als „Drei-Jahres-Königspaare“ in die Grevenbrücker Vereinsgeschichte ein. Auch das Kaiserpaar Michael und Anne Terschlüsen konnte sich über einer verlängerte Amtszeit freuen. Der Grevenbrücker Schützenverein nutzte wie viele andere Vereine die Gelegenheit, den Innerraum der Halle zu renovieren.
Zum Ende dieses „Vereinsberichtes“ sollen noch einmal einige Sätze vom Anfang desselben aufgegriffen werden. Es bedarf zur Mitgestaltung eines aktiven Vereinslebens immer handelnder Personen, die Verantwortung übernehmen und Zeit einbringen. Dem Schützenverein ist es seit seiner Gründung immer wieder gelungen, sowohl im Vorstand als auch im Offizierskorps Personen zu gewinnen, die alle benötigten Eigenschaften mitbringen und es vor allem an einem nicht mangeln lassen: viel Herzblut für diesen Schützenverein St. Blasius 1865 Grevenbrück e.V.
Diesen Personen ist großer Dank geschuldet, auch wenn sie das damals wie heute aus dem Ihnen eigenen Verständnis von Pflichtbewusstsein nicht gerne hören.
Das Verständnis für den Erhalt alter Traditionen in Gemeinschaft, wie es in unserem Schützenverein gelebt wird, ist in der heutigen Zeit und Gesellschaft, in der manchmal das individuelle Interesse zu sehr in den Vordergrund rückt, schon wieder fortschrittlich. Wir müssen uns um den Erhalt des Vereins und seiner Werte auch in der Zukunft keine Sorgen machen. Wir Schützen wollen mit dem Erhalt der traditionellen Werte die Gemeinschaft stärken, uns in deren Dienst stellen und so die Zukunft mitgestalten.

